Pflanzenfamilien in der Homöopathie


„Wende nun, o Geliebte, den Blick zum bunten Gewimmel,
Das verwirrend nicht mehr sich vor dem Geiste bewegt.
Jede Pflanze verkündet dir nun die ewgen Gesetze,
Jede Blume, sie spricht lauter und lauter mit dir“


Johann Wolfgang v. Goethe
„Die Metamorphose der Pflanze“



Pflanzenportraits

von individuell zu generell......

Einleitung
In den letzten 10 Jahren hat sich das Verständnis der homöopathischen Materia medica sehr verändert.
War es früher üblich die Arzneien in erster Linie über ihre Individualsymptome zu studieren, so ist es heute weithin verbreitet, die Themen der übergeordneten (Familien)-Systematik mit einzubeziehen .
Die Betrachtungsweise der Familien und das Verständnis der gemeinsamen Themen (besonders in der Welt der Pflanzen mit ihrer enormen Artenvielfalt) hat mein Verständnis der homöopathischen Materia medica sehr verändert.
Eine positive Bereicherung die sich in meiner Praxis widerspiegelt, aber auch meinem Lehren eine neue Tiefe vermittelt hat.

Taxonomie

Wann immer es mir möglich ist, greife ich also zu meiner Kamera, mache Fotos, ordne diese nach Familien, benenne sie möglichst trilingual und vertiefe auch auf diese Weise mein Verständnis der Materia medica.
Mittlerweile ist eine grössere Sammlung von hochwertigen Fotos ( meist Makros) entstanden. Hier lag die Idee „Pflanzenportraits.com“ zu gestalten um diese Fotos möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen.


Systematik einer Familie, ein neuer Ansatz in der Homöopathie?
Moderne Lehrer wie Rajan Sankaran, Jan Scholten, Massimo Mangialavori, aber auch Franz Vermeulen (sie alle haben auf ihre besondere Weise zum systematischen Verständnis der Materia medica beigetragen), haben mit ihren Veröffentlichungen und Ideen auch mich in den letzten Jahren geprägt.

Doch wie sieht es aus mit den Meistern der Antike, hätten auch sie der modernen Systematik folgen wollen?
Kein geringerer als Constantin Hering greift schon in seinen im Jahre 1856 veröffentlichten „Amerikanischen Arzneimittelprüfungen - Vorarbeiten der Arzneilehre als Naturwissenschaft“ die Familienähnlichkeiten auf:



„.........Es hat sich aber durch die fort und fort schreitenden Untersuchungen herausgestellt, in den Pflanzenfamilien sei chemische Gleichartigkeit, es versteht sich, bis zu einem gewissen Grade.

Ebenso hat sich die Übereinstimmung in den Wirkungen der verschiedenen Pflanzen derselben Familie herausgestellt, wie sich von selbst versteht, sobald eine chemische da war.

Nun werden aber die Pflanzen nach der Form in Familien gebracht.

Wenn aber die Botaniker wesentliche Formähnlichkeit fanden, darnach eine Pflanze zur andern stellten, wenn die Chemiker in solchen formähnlichen Pflanzen Stoffähnlichkeit fanden, wenn eine Wirkungsähnlichkeit derselben sich zeigt und zeigen muss, weil alle Wirkung chemisch bedingt ist, muss jedenfalls auch eine Entsprechung sein zwischen Form und Wirkung.

Angenommen, diese Ähnlichkeit unter den Gliedern derselben Familie sei nur eine sehr flache, was ich aber durchaus nicht zugebe, so wäre die nächste Aufgabe, zu suchen, ob auch die Unterschiede der einzelnen Glieder in der Form und in der Wirkung Entsprechendes zeigten

z. B. ob die Formverschiedenheiten den Wirkungsverschiedenheiten entsprechen bei
Nux vomica und Ignatia, bei Aconitum und Helleborus, bei Belladonna und Capsicum.

Ein Beispiel ist bei den Solanaceae das, was man das Narkotische genannt hat einestheils und das Scharfe anderntheils.

Das Letzte überwiegt z. B. im Capsicum, das Erste z. B. im Tabak.

Bei den Ranunculeen, die als Familie ganz verschieden wirken, findet sich dasselbe Gesetz in der Vertheilung der Arzneikräfte, und es lassen sich die gekannten in eine Reihe stellen, eigentlich besser in einen Halbkreis, an dessen einem Ende Ranunculus, am andern Helleborus oder Paeonia zu stellen wäre.

Die Hauptsache bleibt Prüfung der einzelnen Pflanzen an sehr vielen Menschen.

Dann erst ist der nächste Schritt möglich: Vergleichung zweier nahe verwandten. Alles Weitere mag zwar gewagt werden, damit wir ein Ziel vor uns haben, bringt aber nicht eher dahin, bis wir eine hinreichende Zahl solcher Paare haben.“


Aude sapere
Im diesem Sinne:
„Wage neue Wege zu gehen, jedoch bewahre stets die Verbindung zum Ursprung“, möchte ich Sie einladen „Pflanzenportraits“ zu geniessen.

Für Fragen und Anregungen stehen ich Ihnen gerne zur Verfügung.


Bonn, im Juni 2007
Jürgen Weiland